Dialog Oldenburger Wärmeplan Key Visual

Dialog Oldenburger Wärmeplan


Spätestens seit dem „Heizungshammer“ ist aus dem No-Interest-Thema Heizen ein Reizthema geworden. Wie erreicht man dafür eine Stadtgesellschaft? Oldenburg kommt in einem lebhaften und konstruktiven Dialog darüber ins Gespräch, wie die Stadt in Zukunft günstig und klimafreundlich heizen will.

Mit einer Serie von Dialogveranstaltungen und einer mehrkanaligen Kommunikation aktiviert und beteiligt die Stadt überdurchschnittlich viele Menschen an ihrer Wärmezukunft – mit sichtbarem Erfolg in der politischen Beschlussfassung. Coool realisierte die Kommunikation und Beteiligung (in Kooperation mit Tracemaker).

Narrativ & Konzept
Kreation, Design, Text
Kommunikation
Social Media
Beteiligungskonzept und Durchführung
Beteiligungsbericht


Zuhören zählt

Beim Thema Heizen tun sich Barrieren auf: Doch die sind vor allem mentaler Natur. Denn die Lösungen sind längst da. Aber die Menschen treiben viele berechtigte Fragen um: Ob es darum geht, ob eine Wärmepumpe für einen Altbau in Frage kommt, ob das alles bezahlbar ist, wann das Gasnetz abgeschaltet wird oder welche Förderungen es gibt. Diese Fragen haben wir nicht nur antizipiert, sondern in den Veranstaltungen gezielt abgefragt und behandelt. Die Menschen in Oldenburg fühlten sich dadurch gut abgeholt und orientiert.

Das kommunikative Narrativ für die kommunale Wärmeplanung in Oldenburg baut daher auf einem zentralen Perspektivenwechsel auf: Weg von der abstrakten Systemfrage, hin zur konkreten Frage:

Was bedeutet der Wärmeplan für mich, mein Zuhause, mein Handwerk, mein Unternehmen?

Die Kommunikation stellt das Wie in den Vordergrund: Wie kommen wir dorthin? Welche Entscheidungen stehen an? Wer gestaltet mit? Der Oldenburger Wärmeplan vermittelt Orientierung und zeigt die Vorteile auf, die eine zukunftsfähige, dekarbonisierte Wärmeversorgung bieten kann.

Oldenburg macht die Wärmewende konkret

Als Teil der Kampagne „Klima. Mach’s. Konkret.“ führt der Dialog Oldenburger Wärmeplan den Themenstrang Wärme konsequent und wiedererkennbar fort. Die Stadt löst damit das Versprechen „Mach’s. Konkret.“ als Imperativ an sich selbst ein und macht deutlich, dass günstig und klimafreundlich zusammengehört. Dass es für die Menschen genau in dieser Reihenfolge steht, hat der Dialog unmissverständlich klar gemacht.

Zugang zum Dialog Oldenburger Wärmeplan

1 Info-Veranstaltung
5 Dialog-Veranstaltungen
1 Online-Dialog
2 Fachforen
700+ Teilnehmende
100.000 Haushalte erreicht

133 konkrete Fragen und Antworten
3 neue Maßnahmen beschlossen

KWP-Kurzbericht

Der Plan – greifbar für dich und mich

Die kommunale Wärmeplanung ist technisch und komplex. Damit es für Bürgerinnen und Bürger verständlich wird, haben wir die 166 Seiten KWP-Bericht übersetzt: Auf 6 Seiten, in einer Sprache, die Menschen ohne Fachhintergrund verstehen und die den Wärmeplan für sie relevant macht. Was bedeutet die Wärmewende für mich, mein Zuhause, mein Handwerk, mein Unternehmen? Warum brauchen wir das? Und vor allem: Was habe ich davon?

Infografiken: Why, how, what?

Das Herzstück der Kommunikation bildet ein Set an Infografiken, die zentralen Aussagen des Wärmeplans kompakt aufbereiten. Sie dienen kanalübergreifend als erzählerisches Medium: auf dem Klimaportal, im 6-Seitigen KWP-Kurzbericht, im Erklärfilm, in den Social-Media-Reels, vor Ort in den Dialogveranstaltungen.

Die Infografiken klären schnell darüber auf, warum Oldenburg weg vom Gas kommen will, woher die Energie fürs Heizen in Zukunft kommt, und wie die technische Lösung in welchen Bereichen der Stadt dafür aussieht.

Alle Infos auf dem Klimaportal

Das Klimaportal ist für den Oldenburger Wärmeplan als Teil des stadtweiten Klimaschutzplans zentraler Content-Hub. Hier sind alle Informationen, Veranstaltungen und Fördermöglichkeiten kompakt aufbereitet.

Über eine Kartenanwendung erfahren die Oldenburgerinnen und Oldenburger per Adresseingabe sofort, ob sie in einem „zentralen“ oder „dezentralen Wärmeversorgungsgebiet“ wohnen. – Was das ist? Das haben die Oldenburger*innen schnell verstanden: Zentral heißt Wärmenetz, dezentral heißt Wärmepumpe.

Wärmezukunft einfach verständlich

Die Infografiken als Content-Herzstück der Kommunikation lieferten die perfekte Basis für den Erklärfilm, der den Oldenburger Wärmeplan in 2 Minuten auf den Punkt bringt: Er holte Besucher*innen auf dem Klimaportal gleichermaßen schnell ins Thema wie die Teilnehmenden in den Veranstaltungen.

Mehr noch: die Animationen konnten wiederum in der Produktion der Social Media Reels eingesetzt werden und dienten den beiden Wärme-Amtfluencern als didaktisches Material – dazu mehr weiter unten. Eine smart gedachte verzahnte Content-Strategie mit hohem Mehrwert und kurzen Produktionszeiten.

Postwurfsendung

Alle erreichen

Um wirklich alle Haushalte in Oldenburg zu erreichen, setzten wir auf ein altbekanntes Medium: die Postwurfsendung. Über 100.000 Stück fanden bei Schneefall und Glatteis ihren Weg in die Oldenburger Briefkästen. Das Mailing wurde so konzipiert, dass bei kürzester Aufmerksamkeitsspanne nicht nur die Einladung zum Dialog im eigenen Stadtteil platziert, sondern die wichtigsten Basisinformationen vermittelt wurden.

Flankiert wurde die Postwurfsendung durch Plakate, Medienflächen der Stadt und Flyer – im jeweiligen Umfeld der Menschen in ihren Stadtteilen.

Dialog mit Wirkung

Den Auftakt des Dialogs bildete die Info-Veranstaltung im Herzen der Stadt, gefolgt von 5 Dialogveranstaltungen in einzelnen Stadtteilen im ganzen Stadtgebiet.

Die Wärme-Experten des Fachdienstes Klimaschutz stellten den Wärmeplan mittels Erklärfilm und einerm kompakten Übersicht vor. Doch der Schwerpunkt der Veranstaltung galt dem Dialog: Konzipiert und moderiert von Melanie Peschel (Tracemaker) entfaltete sich ein reger Austausch mit verschiedenen Themenschwerpunkten zwischen den Teilnehmenden und der Expertenrunde aus Fachdienst Klimaschutz, dem Vertreter des Energieversorgers EWE als Verfasser der kommunalen Wärmeplanung (KWP) und der Heizungsinnung.

Aus dem Dialog wurden 4 Themenfelder mit zentralen Erkenntnissen extrahiert, die im Nachgang direkt auf dem Klimaportal veröffentlicht wurden.

Wichtigster Beitrag des Dialogs sind jedoch die 3 Maßnahmenpakete, die in die politische Beschlussfassung aufgenommen wurden.

Begleitend zum Bürgerdialog wurden in 2 Fachforen mit der Wohnungswirtschaft und Gewerbetreibenden entscheidende Stakeholder eingebunden; außerdem wurden vorab Gespräche mit dem Handwerk Wärmewirtschaft geführt.

Dialog mit Experten und Moderatorin
Teilnehmde setzen Klebepunkte auf Fragenwand

In der Info-Veranstaltung wurde gezielt gefragt, welche Fragen die Bürger und Bürger*innen am meisten umtreibt. 4 Fragen-Cluster waren antizipiert und konnten durch Klebepunkte bewertet werden. Auch individuelle Fragen konnten eingegeben werden. Auf Basis dieser partizipativen Abfrage wurden in den Stadtteilveranstaltungen diese Fragen vertieft behandelt. Die Wirkung war spürbar: Eine erste Zurückhaltung am Anfang wich einem offenen, interessierten Dialog mit vielen positiven Rückmeldungen.

Die Teilnehmenden konnten außerdem über vorbereitete Feedback-Bögen und Online Rückmeldungen eingeben.

In den sehr heterogenen Räumlichkeiten – vom modernen Konferenzzentrum bis zur Schulsporthalle – wurde mit wiederverwendbaren Groß-Stickern und „Tape Art“ Atmosphäre geschaffen.

Publikum stellt Fragen
Marvin Schnabel-Thissen erläutert Wärmeplan

Marktplatz der Möglichkeiten

Vor dem Veranstaltungsraum bot der „Marktplatz der Möglichkeiten“ vielfältige Informations- und Dialogangebote für die Teilnehmenden.

Der Oldenburger Wärmeplan wurde mit großen, informativen Plakaten vorgestellt und die Mitarbeitenden des Fachdienstes Klimaschutz standen dort Rede und Antwort. Am interaktiven Karten-Tool konnten sich die Bürgerinnen und Bürger mittels Adresseingabe darüber informieren, in welchem Wärmeversorgungsgebiet ihre Wohnung liegt.

An Ständen der EWE Netz und der Heizungsinnung erhielten die Teilnehmenden praktischen Rat rund um Themen wie das Gasnetz, den Netzausbau und den Heizungstausch.

Beratende der Stadt Oldenburg informierten über die Förderprogramme und Beratungsangebote, die einen niederschwelligen Einstieg in die Thematik ermöglichen und mit substanziellen finanziellen Vorteilen aufwarten.

Menschen beim Marktplatz der Möglichkeiten
Gespräch über den Wärmeplan

Best Practice: Geschichten vom Gelingen

Als regelrechter Gamechanger erwies sich die Präsenz der „Best-Practice-Gebenden“, von Oldenburger*innen, die bereits Erfahrung mit dem Heizungstausch sammeln konnten. Schnell wurden hier Vorbehalte ausgeräumt und praktisch aufgezeigt, wie die Umstellung auf die Wärmepumpe gelingt. Praktische Tipps zur Haussanierung, zum Einbau einer PV-Anlage oder Auswahl eines passenden Handwerksbetriebes waren dabei genauso hilfreich wie der Blick auf die Heizkostenrechnung. Auch im Online-Dialog, bei dem wir Zielgruppen abholen konnten, für die eine Dialogveranstaltung nicht erreichbar war, spielten die Best-Practic-Gebenden eine prägende Rolle. Viele dürften mit einem anderen Bild im Kopf nach Hause gegangen sein.

Auf der Vernetzungswand konnten Teilnehmende sowohl Gesuche als auch Angebote für den bilateralen Austausch hinterlassen, etwa Interesse an einer gemeinschaftlichen Wärmeversorgung oder praktisches Wissen zu Wärmepumpen, Solarthermie oder Biomasse-Heizungen.

Mehr als Transparenz

Der Dialogbericht dokumentiert den gesamten Dialogprozess: Von der Zielsetzung, über Beteiligungskonzept und Methodik, zu Themenfeldern und Kommunikation. Er enthält einen Schatz an Beiträgen und Informationen aus der Rückkopplung mit der Bevölkerung und den Fachforen. Mehr noch: Er formuliert konkret 3 neue Maßnahmen, die in den Oldenburger Wärmeplan einfließen:

  • Die Stadt baut künftig auf „Botschafterinnen und Botschafter“, die von ihren eigenen Erfahrungen mit einer Wärmepumpe berichten wollen.
  • Die Stadt baut ihre unabhängigen individuellen Beratungsangebote gezielt weiter aus und stärkt ihre Rolle als Vermittlerin zu anderen neutralen beratenden Stellen.
  • Ein maßgeschneidertes Beratungsangebot für Wohnungseigentümergemeinschaften wird von der Stadt eingerichtet, da diese bei der Heizungsumstellung vor besonders komplexen Entscheidungsprozessen stehen.

Der Dialogbericht wurde als Teil des Oldenburger Wärmeplans vom Stadtrat beschlossen.

Fotos: Jörg Hennen, Tobias Kollmann